1789: Die Große Französische Revolution

Vorboten

Graf Mirabeau nimmt die Krise des Ancien Régime in seiner Schrift Versuch über den Despotismus von 1775 vorweg, indem er die gesellschaftlichen Verwerfungen benennt und scharf kritisiert sowie den Untergang der Monarchie prophezeit:

„Knechtschaft: Wäre sie, wie man gesagt hat, die Veräußerung der Freiheit, so wäre diese Definition ebenso gefährlich wie falsch: denn es hieße, die Persönlichkeit aufzugeben, und sie aufzugeben ist unmöglich; ratet dem Despoten, der behauptet, von Geburt an absoluter Herr der Sklaven zu sein, die er nach Laune unterdrück und tritt, sich ihre Freuden und Leiden, ihre Empfindungen und Kräfte anzueignen, kurz, alle Eigenschaften, die eine Persönlichkeit ausmachen, und er wird euch vielleicht durch den Henker antworten: denn das ist die einzige Erklärung des Tyrannen. Wir wollen seine Blindheit beklagen und seine Grundsätze verabscheuen, aber lassen wir uns niemals von seiner Gewalt beeindrucken: es ist ebenso schmählich, sich von ihr unterwerfen zu lassen, wie es schmählich ist, sie auszuüben.

Wenn ihr die Hierarchie umkehren würdet, deren Haupt ihr seid, wenn ihr den Menschen ihre Ketten zeigtet, wenn ihre Augen nicht mehr geblendet sind und ihre Arme eurer Begehrlichkeit nicht mehr genügen, wenn ihr töricht den Reichtum verschwendet, den eure unersättliche Tyrannei ihnen entreißt, was gewönnen sie dabei, immer noch zu kriechen? Sie werden gewahr werden, daß sie in der Überzahl und die Stärkeren sind, und daß ihr nur über die Gewalt verfügt, die sie euch überlassen oder verschaffen.

Fürst! Die Natur hat dir nicht mehr Organe und Fähigkeiten verliehen als jedem andern Menschen, dein Volk und du sind nur durch das Band der Nützlichkeit verbunden, das beide vereint. Wenn ihr es zerreißt, bringt ihr euch selbst in Gefahr, sei es daß die Gesellschaft euch die Macht nimmt, in welcher sie nur Unterdrückung und Unglück sieht anstatt Schutz und Wohlfahrt; sei es daß es euch gelänge, eure Untertanen durch die Knechtschaft zugrunde zu richten und eure Länder durch die Verwüstungen des Despotismus zu zerstören; denn eure übertriebene Gewalt wird das Geschick des Staates erleiden, der an Menschen und Hilfskräften erschöpft, zusammenbricht, sobald man ihn verändern will, und der nur von seinen Sklaven verteidigt wird. Denn dem Tyrannen schwebt immer die Last seines Unrechts über dem Haupt, heilloser in all seiner Größe als es der unglückliche Damokles war, der unter dem Schwert zitterte, da der Despot die Zuckungen des Schreckens vereint mit der Qual der Gewissensbisse, falls es die überhaupt gibt in einem Herzen, das an Tyrannei gewöhnt ist.“ (1)

Die Französische Revolution

Die Französische Revolution von 1789 gehört zu den folgenreichsten Ereignissen der neuzeitlichen europäischen Geschichte. Die Abschaffung des feudal-absolutistischen Ständestaats sowie die Propagierung und Umsetzung grundlegender Werte und Ideen der Aufklärung als Ziele der Französischen Revolution sind die treibende Kraft für tiefgreifende macht- und gesellschaftspolitische Veränderungen. Dieser revolutionäre Prozess durchdringt letztendlich alle Staaten Europas. Hier nimmt das moderne Demokratieverständnis seinen Anfang. Die revolutionäre Umgestaltung und die Entwicklung der französischen Gesellschaft vollzieht sich in vier Phasen:

    1. Die Revolution des Adels oder wie Albert Soboul bemerkte „die aristokratische Revolte“ verschärft die Krise der Monarchie. Die Macht gerät ins Wanken.
    2. Die Revolution der Bürger begründet die neue Rechtsordnung.
    3. Die Revolution des Volkes mit der landesweiten Mobilisierung der Massen, die in der Pariser Revolution vom 14. Juli 1789 mündet, forciert und sichert den revolutionären Prozess.
    4. Die Revolution der Bauern bricht konterrevolutionäre Bestrebungen und Widerstände im Land.

Zwei Ereignisse bestätigen den revolutionären Prozess:

    1. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte.
    2. Die Rückkehr des Königs nach Paris, wo Ludwig XVI. nun der Gefangene der Stadt ist.

Damit ist der Prozess der Bildung einer neuen Gesellschaftsordnung in Gang gesetzt. Die Zeit von 1789 – 1791 steht noch im Zeichen des Kampfes für bürgerliche Freiheitsrechte und für die Schaffung einer konstitutionellen Monarchie. Die Zeit von 1792 – 1794 ist geprägt von inneren wie äußeren konterrevolutionären Bedrohungen und Widerständen. Das führt zur Errichtung einer Republik mit radikaldemokratischen Zügen und zur Ausbildung einer Revolutionsregierung, die mit Mitteln des „Despotismus der Freiheit“ und der Guillotine alle „Feinde der Revolution“ verfolgt. In der Zeit des Ersten und Zweiten Direktoriums von 1795 – 1799 kann sich eine von besitzbürgerlichen Interessen geleitete politische Führung nur mühsam gegen Volksinitiativen für soziale Gleichheit einerseits und gegen monarchistische Restaurationsbestrebungen andererseits durchsetzen. Als Ordnungs- und Machtfaktor fungiert in dieser angespannten Situation das in den Revolutionskriegen entstandene Bürgerheer. Dieses Heer ist der entscheidende Machtfaktor, dem Napoleon Bonaparte seinen Aufstieg und den Rückhalt bei der Verwirklichung seiner sich über Frankreich hinaus erstreckenden politischen Ambitionen verdankt. Es ist das Ende der bürgerlichen Republik. (2) (3)

Anmerkungen

  1. Riqueti, Honoré-Gabriel, Graf Mirabeau: Mirabeau. Der Redner der Revolution, Frankfurt a.M.1989, S. 55 f.
  2. Vgl. dazu: Lefebre, Georges: 1789. Das Jahr der Revolution, München 1989.
  3. Vgl. dazu: Soboul, Albert: Die Große Französische Revolution. Ein Abriß ihrer Geschichte (1789 – 1799), Frankfurt a.M. 1988.

Literatur

Haupt, Heinz-Gerhard: Sozialgeschichte Frankreichs seit 1789, Frankfurt a.M. 1989.

Lefebre, Georges: 1789. Das Jahr der Revolution, München 1989.

Markov, Walter / Soboul, Albert: 1789. Die Große Französische Revolution, Leipzig 1989.

Riqueti, Honoré-Gabriel, Graf Mirabeau: Mirabeau. Der Redner der Revolution, Frankfurt a.M.1989.

Soboul, Albert: Französische Revolution und Volksbewegung: die Sansculotten. Hrsg.: Walter Markov, Frankfurt a.M. 1978.

Soboul, Albert: Die Große Französische Revolution. Ein Abriß ihrer Geschichte (1789 – 1799), Frankfurt a.M. 1988.

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Sitz in Wendelsheim/Rheinhessen

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