
„Wer zu Hause nicht klug ist, ist es in der Fremde auch nicht.“
Friedrich Christian Laukhard

Lebenslinien
Friedrich Christian Laukhard, der vor der Französischen Revolution von 1789 am 7. Juni 1757 in Wendelsheim in der Pfalz geboren wird, ist kein Kind der Revolution, sondern der besonderen Umstände und der gesellschaftlichen Verhältnisse, in die es hineingeboren wird. Laukhard ist neugierig, aufsässig und rebellisch, ja durchaus revolutionär.
Literarisch und biographisch entwickelt er sich im Geiste der Französischen Revolution ohne dabei seine Beobachtungsgabe, seinen kritischen Geist zu verlieren. Er verwandelt die ihn umgebene soziale Wirklichkeit in dauerhafte Literatur. Das A B C der deutschen Misere begleitet Magister Laukhard bei seinem Projekt, die Errungenschaften der Revolution und die einschneidenden Veränderungen der Zeit kritisch gegen Konterrevolution und die Auswüchse der Französischen Revolution zu behaupten.
Dabei zeigt sich immer wieder, welche Sprengkraft in seinen Beobachtungen steckt. Laukhard ist in ein aufbrausendes, hitziges Zeitalter, in eine schonungslose Vorwärtsbewegung hineingeraten. Dieser Zeitgeist entspricht auch seinem Temperament. Er fängt die gesellschaftlichen Stimmungen seismographisch genau ein.
Bei Laukhard ist die positive Haltung der bittere Zorn auf einen menschenunwürdigen Zustand unberechtigter Privilegien und schiefer Denkweisen.
Als Sohn eines protestantischen Pfarrers erhält Laukhard eine umfassende humanistische Bildung, die ihn mit philosophischen, historischen, pädagogischen und theologischen Werken vertraut macht.
Allerdings vernachlässigen die Eltern seine übrige Erziehung, sodass Laukhard durch falschen Umgang und mangelnde Aufsicht schon „in der zarten Jugend ein Säufer“ (1) wird. „Oft wurde ich durch den Trunk meiner Sinne beraubt“ (2), bekennt er.
Sowohl ein lockerer Lebenswandel, sein mangelnder Respekt für weltliche und kirchliche Autoritäten als auch seine scharfe Kritik an den Widersprüchen der gesellschaftlichen Wirklichkeit seiner Zeit, an Aristokratie, Geistlichkeit und der geistigen Elite an den Universitäten bestimmen Laukhards weiteres Leben.
Dabei gelingt dem ruhelosen, getriebenen, umtriebigen und verfolgten Laukhard ein umfangreiches Werk zu hinterlassen. Seine autobiographischen Schriften stechen dabei hervor und sind von besonderem Interesse.
Laukhard fällt es schwer und es wird ihm auch schwergemacht, sich als autonomes Subjekt zu etablieren und gesellschaftliche Anerkennung zu erlangen. Die sozialen, politischen und geistigen Voraussetzungen sind so schlecht, dass ihm ein gesellschaftlicher Aufstieg in der bestehenden Ständegesellschaft bewusst verwehrt wird.
Aber nicht nur der Verweis auf seine Laster, sein Scheitern, sein sprunghaftes Leben allein werden gegen ihn ins Feld geführt, auch die kritische Stellungnahme zu den sozialen und revolutionären Verhältnissen seiner Zeit haben zu seiner gesellschaftlichen Ächtung beigetragen:
„Eigentlich war er ein Philosoph, ein kritischer Denker und hellsichtiger Zeitgenosse, der seiner Umwelt den Spiegel vorhielt, in dem sie sich nicht sehen wollte.“ (3)
Laukhards Intelligenz überragt seine soziale Stellung bei weitem. Aber er unterwirft sich nicht den Konventionen.
Er verzichtet auf Anerkennung und Karriere und bleibt sich letztendlich treu – und einsam:
„Will‘s euch verraten, was ich lehre: Das ABC der Teutschen Misere!“ (4)
Friedrich Christian Laukhard stirbt am 29. April 1822 in Kreuznach.
Anmerkungen
- Laukhard, Friedrich Christian: Leben und Schicksale, von ihm selbst geschrieben, und zur Warnung für Eltern und studierende Jünglinge herausgegeben. Erster Teil, Wendelsheim 2013, S. 9.
- ebd.
- Brandt, H. Peter: Friedrich Christian Laukhard. Leben und Leiden, Idar- Oberstein 2001, S. 48, zitiert nach: Schriftreihe der Friedrich Christian Laukhard Gesellschaft. Band 3. Jahresgabe 2008, Wendelsheim 2008, S. 14.
- Brecht, Bertolt: Der Hofmeister von Jacob Michael Reinhold Lenz (Bearbeitung). In: Ders.: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Stücke 8, Frankfurt a.M. 1992, S. 321.
Literatur
Brecht, Bertolt: Der Hofmeister von Jacob Michael Reinhold Lenz (Bearbeitung). In: Ders.: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Stücke 8, Frankfurt a.M. 1992.
Brandt, H. Peter: Friedrich Christian Laukhard. Leben und Leiden, Idar- Oberstein 2001, S. 48, zitiert nach: Schriftreihe der Friedrich Christian Laukhard Gesellschaft. Band 3. Jahresgabe 2008, Wendelsheim 2008.
Laukhard, Friedrich Christian: Leben und Schicksale, von ihm selbst geschrieben, und zur Warnung für Eltern und studierende Jünglinge herausgegeben. Erster Teil, Wendelsheim 2013.
Friedrich Christian Laukhard
Gesellschaft e. V.
Sitz in Wendelsheim/Rheinhessen
Geschäftsstelle
Sandstraße 9 | 55271 Stadecken-Elsheim
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